01. Juli 2020
Es gibt einen Zustand im Leben, den wir alle versuchen zu vermeiden. Zu umschiffen. Zu verhindern. Bloß nicht, bleib mir weg damit. Es ist der Zustand der Ohnmacht, des Kontrollverlusts. Niemand würde ihn wohl freiwillig wählen. Manchmal aber geschehen Dinge, die uns für kurze und manchmal auch lange Zeit die Handlungssicherheit nehmen. Diagnose Krebs. Zerbruch einer Freundschaft. Zu viel Einsamkeit. Erinnerungen, die einen überkommen. Oder einfach eine Beziehung, in der einem schmerzlich...
23. Juni 2020
I am a work in progress schrieb auch schon Danielle Doby ich bin wie eine Baustelle, «Becoming» schreibt Michelle Obama und zwar ein ganzes Buch darüber. Da gibt es Stellen und alte Gemäuer in mir, wo alte Schriftzüge standen, die sind nicht mehr aktuell, alte Mottos und vergangene Werbeslogans, die prägten verschwinden langsam und ich erkenne nur noch einzelne Buchstaben. Langsam werden sie schwächer, Buchstabe für Buchstabe verblasst, ich kann bei dem Prozess fast zuschauen, so...

18. Mai 2020
Was bedeutet Selbstachtung und -fürsorge heutzutage? Wie kann man beides in einem guten Maß (aus)leben? Wir haben Jasmin gefragt. Jasmin ist Anfang 30, hat einen besonderen Sinn für Ästhetik und das Schöne. Zur Zeit ist sie hauptberuflich Mutter von drei süßen Kids und Mitbegründerin eines Waldkindergartens. Was bedeutet Selbstachtung für dich? Zeit und Ruhe zu haben, um mich spüren zu können. Meinen Bedürfnissen Raum geben, mir selber zuzuhören und dann vor allem diese...
10. Mai 2020
Kennst du das? Es geht dir auf die Nerven, dass sich alle Welt darum dreht, wie sie sich selbst verwirklichen kann. Be yourself! Sei dir deiner selbst bewusst, heißt es. Also morgens meditieren, keine Kinder kriegen, vegan ernähren, sich im Job verwirklichen und abends mit einem Kumpel treffen, der sich auf nichts Festes einlassen möchte... Okay, ich übertreibe ein bisschen. Auf der anderen Seite erinnere ich mich an viele Jahre, in denen nur zählte, was die anderen brauchen. Von einem...

29. April 2020
Kennst du das? Es geht dir auf die Nerven, dass sich alle Welt darum dreht, wie sie sich selbst verwirklichen kann. Be yourself! Sei dir deiner selbst bewusst, heißt es. Also morgens meditieren, keine Kinder kriegen, vegan ernähren, sich im Job verwirklichen und abends mit nem Kumpel treffen, der sich auf nichts festes einlassen möchte...okay ich übertreibe ein bisschen. Auf der anderen Seite erinnere ich mich an viele Jahre, in denen nur zählte, was die anderen brauchen. Von einem...
24. April 2020
Meine Tochter, gute Zwei, versucht gleichzeitig in einen Kurzarmbody und ein Sommerkleidchen mit Herzchenmuster zu kommen, verirrt sich mit dem linken Arm im Kopfloch und mit dem Kopf irgendwo - und fragt nur glucksend „ui, wo bin ich?“ Ich dachte mir beim Beobachten und Mitlachen - ja, diese Frage habe ich mir die letzten Tage auch gestellt. Ok, die ersten Wochen mit Covid-19, der ganzen Aufregung, der Umstellung von persönlich auf digital, von sozial auf „social media“ - da hatte ich...

08. April 2020
Im Januar ist meine geliebte Oma gestorben. Wir haben sie immer Nonna genannt, also die italienische Variante von Oma. Das hat auch viel besser zu ihr gepasst, denn sie war eine wirkliche Nonna. Temperamentvoll,meinungs-stark, super humorvoll und für ihre 93 Jahre immer noch einen frechen Spruch auf Lager. Als Kind hatte ich manchmal ein wenig Angst vor ihrem Temperament, aber als ich größer wurde, konnte ich ihr die Stirn bieten und sie ließ sich die Stirn bieten, war immer offen für...
27. März 2020
Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde, da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen. Zuletzt wurde ich ganz still. Ich wurde was vermutlich noch ein größerer Gegensatz zum Reden ist, ich wurde ein Hörer. Ich meinte erst, Beten sei Reden. Ich lernte aber, dass Beten nicht bloß Schweigen ist, sondern Hören. So ist es: Beten heißt nicht, sich selbst reden hören. Beten heißt still werden und still sein und warten, bis der Betende Gott hört. - Sören Kierkegaard - Wir...

16. März 2020
Ich wurde schon oft auf Toiletten inspiriert. Ein paar Zeilen in der Kneipentoilette, ein interessante Frage mit Edding auf der Wand des Uni-WCs. Und neulich auf der Toilette einer sehr guten Freundin dann ein Gedicht. Ich musste schmunzeln als ich diese Lyrik las. Der Text hat mich berührt, weil er so wahr ist. Er hat mich zum Nachdenken gebracht. Der katholische Lyriker, Lothar Zenetti schreibt: Einmal wird uns gewiß die Rechnung präsentiert für den Sonnenschein und das Rauschen der...
10. März 2020
Wenn man in Stuttgart vom Olgaeck zu unserer Wohnung läuft, kommt man an mehreren Mülleimern vorbei. Auf einem klebt dieser Sticker.

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