G L O W

glow. Nein, in den kommenden vier Wochen soll es nicht um die gleichnamige Netflix-Serie gehen: die verrückten charmanten und total überzeichneten Charaktere, Wrestlerinnen, die in den vereinigten Staaten in den 70ger Jahren kämpfen, verlieren, weinen, sich raufen, tanzen, trinken, kiffen und sich sogar ab und an (gegenseitig) den Knöchel brechen. Glow. Um Glow als Serie geht es nicht, dennoch, vermute ich, dass es den Machern um etwas ging, was auch uns bewegt. Um ein inneres Leuchten, ein Funkeln, eine Idee, die weiterstrahlt. Alles mit Leidenschaft. Ein Leuchten, das immer weiterstrahlt. Stetiges Strahlen ohne zu verbrennen; sowas fällt auf! Ob das nun die Augen sind, oder ein wunderschönes Gesicht, das leuchtet, oder eine Idee oder Überzeugung einer Freundin, die bis nach Draußen leuchtet und andere anstrahlt. Das Cambridge Dictionnary beschreibt glow als „continous light“. Es geht um Ausstrahlung, die soviel mehr ist als symmetrische Schönheit. Es soll um Schönheit gehen. Und um soviel mehr als die aktuellen Schönheitsnormen.

 

Es geht um Leuchten und Strahlen und woher das kommt. Ob mit oder ohne Make-up. Ob dressed oder naked, nude oder neon.

 

 

Wir gehen laut spazieren, mit diesem „GLOW“, mit Bildern und Worten zu
G L O W. Gehst du mit?

Bild von Pixabay
Bild von Pixabay

 

Eine liebe Freundin schrieb mir mal zum Geburtstag eine silberne Minikarte. Mit nur einem Satz: „You glow, Girl!“
Mehr war da nicht drauf und trotzdem bewegt mich dieser Satz und dieses Kompliment jetzt schon sehr lange.

 

Der Glow und die Schönheitsindustrie


Naked scheint ja nun das neue „nude“ zu sein. Nicht mehr nur hautfarben, sondern wenn Schminke, dann bitte Schminke, die noch natürlicher aussieht als Haut, also nackt? Ist das so gedacht? Soll mir so verkauft werden? Wie absurd ist es, dass ich mir neulich tatsächlich ein Hautöl namens „glow“ gekauft habe, mit echten Goldglitzerpartikeln, das von einer Marke stammt, die sich total sympathisch anhört, nämlich „no - make up“....

Wie kann es sein, dass ich mir ein Schönheitsprodukt kaufe, das den Namen no make up trägt, und versucht möglichst natürlich daherzukommen, und mir dann doch wieder versteckt kommuniziert, dass ich so, wie ich bin, keinen Glow habe und diesen sogenannten Glow aber unbedingt brauche??? Über die Gedanken und vor allem diese Denkfalle, in die ich voll reingelaufen bin, erschrecke ich.

Ehrlich gesagt finde ich die Aufmachung und den Namen und die echten Goldpartikel in dem Produkt immer noch schön. Ich freu mich drüber. Und hatte auch den Sommer über immer wieder „glow“ im Gesicht. Nur woher der kam - weiß ich nicht. Ob das Öl „schuld“ war - oder doch vielleicht der Anblick des Meeres, eine stille Meditation am Meer, 10 Minuten Zeit für mein Lieblingslied oder ein Kuss, der mir den Glow ins Gesicht zauberte? Wäre möglich, oder?

Dann entdecke ich nach meinem produkt-kritischen Sommer, diese Zeilen von der begnadeten und absolut ehrlichen Rupi Kaur:

it is a trillion-dollar industry that would collapse
if we believed we were beautiful enough already

 

17 Worte, die mein Glow-Öl-Dilemma beschreiben.
Eine Trilliondollar sind eine Billioneuro (anderer Sprachgebrauch), das ist eine 1 mit 12 Nullen. Ungefähr so: 1 000 000 000 000.
Nein, genauso.

 
Schönheit scheint mehr als gutes Make-Up und You-tube-Tutorials für das perfekte Auftragen. Schönheit scheint mir mehr als ein Schein zu sein. „Shimmer“ und Glow kann ich mir auftragen. Und ich kann mal Innen schauen, was da leuchtet. Dauerhaft? Ein Immer-da-Leuchten. Welche Orte mich zum Strahlen bringen? Welche Ideen habe ich, bei denen meine Augen zu leuchten beginnen? Und wen strahle ich an? 

Bild von Arek Socha auf Pixabay
Bild von Arek Socha auf Pixabay

 

„Wie hast du die Hitze überlebt und wie war euer Urlaub?“ fragte mich neulich ein Freund. Und ich hörte mich, zu meinem eigenen Erstaunen antworten: "Oh, ich finde die Hitze super, da muss ich mich nicht schminken, weil es hält eh nichts...und der Urlaub war soooo gut. 24/7 draußen, keine Schminke, weniger Spiegelgedanken und mehr Freiheit im Kopf, mehr Reinheit auf der Haut." (Da ist wohl einem Teil in mir schon ein Licht aufgegangen, der an dieses echte „naked-Konzept“ glaubt.)

 

let's go naked. Aber so richtig! Wie schön, wenn man Freundinnen oder seiner Mutter sagen kann „You glow, Girl!“, ob naked oder neon, nude oder pure, mit Shimmer oder without. Lasst uns nicht aufhören, einander zu sagen, wie schön wir sind. 


let´'s go naked. Vielleicht nur ein bisschen „nackter“.

So, dass die Schönheitsindustrie etwas weniger Klamotte anzuziehen hat und sich in Zukunft wärmer anziehen muss, weil eine Generation wunderschöner Frauen und Männer endlich erkennt, wie schön sie schon ist.

 

Danke Rupi.

 

 

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